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"Pure Verzweiflung" bei Medientrainern

Fernsehduell in den USA - ein "Tiefpunkt der Debattenkultur"
TV-Duell zwischen US-Präsident Trump und Herausforderer Biden

Trump vs. Biden - das TV-Duell aus der Sicht des Medientrainers

Ehrlich gesagt, als Medientrainer komme ich bei Donald Trump immer wieder an meine Grenzen. Wer so abschätzig mit dem Gegner und auch dem Moderator umgeht, ihnen immer wieder ins Wort fällt und mit bösartigen Unterstellungen arbeitet, der offensichtlich und nachweisbar immer wieder sogar offen lügt, der offenbart eine Geisteshaltung, auf die man sich auch in einem Medientraining einfach nicht vorbereiten kann. 

Deswegen ist es müßig, Donald Trump zu analysieren. Ich will lieber auf Joe Biden schauen und darauf, was er denn angesichts eines solchen Gegenübers anders oder gar besser hätte machen können.

Meiner Ansicht nach hat sich Joe Biden achtbar geschlagen. Er hat versucht, seine Botschaften zu platzieren - was nicht ganz einfach war, weil er immer wieder rüde unterbrochen und niedergebrüllt wurde. Das jedoch als „kluge Strategie von Trump“ auszulegen, wie es Rachel Tausendfreund vom German Marshall Fund im ARD-Morgenmagazin getan hat, halte ich für eine sehr gewagte Einschätzung.

Biden hat sich mit vorbereiteten Botschaften an die amerikanische Öffentlichkeit gewandt und dabei in die Kamera geschaut. Das wirkte sehr staatsmännisch, ruhig und überzeugend - etwa, als er dazu aufgerufen hat, zur Wahl zu gehen. 

Insgesamt hat er in der TV-Debatte unter Beweis gestellt, dass er trotz seines hohen Alters mental und argumentativ ein solches „Kampfgetümmel“ durchzustehen vermag - nicht unwichtig für die amerikanischen Wähler. Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum hat das in seiner Analyse sehr zutreffend formuliert, als er sagte, Joe Biden habe sich „durchgeboxt“.

Aber wie damit umgehen, wenn man mit falschen Tatsachen konfrontiert wird? Übergehen oder kommentieren? Auch immer wieder ein Thema im Medientraining. Biden geriet so oft in die Defensive, weil er offensichtlich unwahre Behauptungen seine Person und Poltik betreffend  nicht stehen lassen wollte. Das war in diesem Falle völlig richtig - führte ihn aber auch immer wieder von seiner eigenen Agenda weg.

Joe Biden ließ sich in dem anderthalbstündigen Duell dann aus der Reserve locken und versuchte Trump mit seinen Waffen zu schlagen, in dem er ihn etwa als „Clown“ bezeichnete. Das ist überflüssig, wirkt unsouverän und sollte er künftig vermeiden.

Hat Biden „seine Chance verpasst“, wie die Bild-Zeitung titelte? Auf jeden Fall war das TV-Duell ein „unfassbarer Tiefpunkt der Debattenkultur“, wie die Welt schrieb. Das aber kann nicht Biden angelastet werden. Joe Biden blieb meist sachlich, hat Botschaften platziert und blieb trotz bösartiger Unterstellungen freundlich.

Medientrainer kommen angesichts eines solchen Fernsehduells und vor allem angesichts eines solchen Diskussionsverhaltens wie bei Donald Trump mit ihrem Repertoire an ihre Grenzen. Dann entsteht das, was auch im süffisanten Lächeln von Biden immer wieder zu sehen war: pure Verzweiflung.

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Martin Kerscher 

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