Alles richtig gemacht, Olaf Scholz!

Der Vizekanzler im Interview mit Marietta Slomka

Es hätte eine so schöne Schlagzeile gegeben, wenn der Vizekanzler auf den Innenminister gedroschen hätte. Live! Im ZDF heute journal! Dank Marietta Slomka! Passierte aber nicht. Und das mag Marietta Slomka nicht. Und das mögen viele Journalisten nicht, wenn sie nicht die Antworten erhalten, die sie sich wünschen. Aber sie machen nun mal ihren Job. 

 

Und Olaf Scholz auch. Er hatte eine klare Botschaft, die er immer wieder platzierte: "Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben ihn korrigiert." Und, das überrascht nicht wirklich, diese Leistung verkauft er als einen Erfolg der SPD-Parteivorsitzenden. Scholz blieb im Interview mit Marietta Slomka ruhig, klar und freundlich – was angesichts der Interviewführung nicht ganz einfach gewesen war. 

 

Und trotzdem: es geht noch etwas besser. Zwei Beispiele:

 

Auf die Frage, ob Seehofer vielleicht nicht schon vorher eine andere Lösung angeboten habe, die von Andrea Nahles nicht erkannt worden wäre.

 

Olaf Scholz: „Wäre, wäre, wäre - ist ja ganz anders. Deshalb glaube ich, ist es schon richtig, dass die SPD-Parteiführung und die Parteivorsitzende den Mut und die Kraft aufgebracht haben, zu sagen, die Lösung, die da gefunden wurde, hat nicht gereicht. Wir müssen eine besser finden. Das ist jetzt gelungen.“

 

Empfehlung: Es ist der Job der Moderatorin nachzuhaken, es ist Ihr Job Ihre Botschaft zu platzieren. Lassen Sie sich nicht provozieren. Ohne Ihren ersten Satz wäre es eine perfekte Antwort (für Sie natürlich, nicht für Marietta Slomka).

 

Auf die Frage, ob Olaf Scholz merken würde, dass die Koalition wieder mittendrin in einem neuen Streit sei. 

 

Olaf Scholz: „Nein, auch wenn Sie sich sehr bemühen, und das ist sicherlich auch sehr interessant. Aber ich glaube, Sie sollten das jetzt auch einfach mal auf sich beruhen lassen. Es ist mit sehr großen Anstrengungen eine vernünftige Lösung gefunden worden. Das war jetzt möglich und vorher nicht. Das ist ganz besonders der Parteivorsitzenden der SPD zuzurechnen, die gesagt hat: “Das was die drei Vorsitzenden ursprünglich vereinbart hatte, ist so wenig akzeptiert in der Bevölkerung, das muss man schnell ändern.” Es ist schnell geändert worden. Gut so.“

 

Empfehlung: Bleiben Sie doch bei sich und interpretieren Sie nicht die Anstrengungen von Marietta Slomka. Das führt nicht weiter und lässt Sie nicht sonderlich souverän aussehen. Auch hier wieder: Schenken Sie sich Ihre ersten Sätze. Denn ab dem dritten Satz sind Sie wieder bei sich und Ihrer Botschaft. Die ist klar. Die sitzt. Atmen Sie, Herr Scholz, bevor Sie antworten. Und nutzen Sie die Pause, Gedanken zu sortieren und Ihre Botschaft zu platzieren.

 

Übrigens: Es überrascht nicht, dass Ihre Antworten von den Fachmedien als „Phrasen-Eiertanz“ eingeschätzt werden. Und das wird sich auch nicht ändern, wenn Sie es noch besser gemacht hätten. Aber auch für solche Kritik gilt: Atmen Sie. Das verschafft Ihnen noch mehr Souveranität.

 

Das vollständige Interview ab Minute 4:00 hier:

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-23-september-2018-100.html